Teilefertiger und das Grundproblem der Service-Transformation
Wenn Teilefertiger von Service-Transformation reden, stoßen sie auf ein Grundproblem.
Bei einem Webinar zum Thema „Service & Aftersales – Umsatzpotenziale heben“ an der BBT – Berufliche Bildungsstätte Tuttlingen GmbH waren viele Teilnehmende Zulieferer, viele davon Teilefertiger für Automotive. Und in der Diskussion wurde etwas klar, das wichtiger ist als alle Haftungs- und Vertrags-Fragen: Das Geschäftsmodell eines Teilefertigers taugt nicht für Dimension 1.
Warum Dimension 1 für Teilefertiger nicht funktioniert
Das ist keine Verlegenheitserkenntnis – das ist die zentrale strategische Einsicht. Dimension 1 (Produkt wird zum Service, mit Leistungsgarantie) funktioniert, wenn das Produkt prozesskritisch ist. Eine Maschine, ein Transfersystem, eine Produktionslinie – ja. Ein Präzisionsdrehteil, ein Stanzwerkzeug, eine Komponente – nein. Vor allem nicht für Automotive-Kunden.
Warum? Der Overhead der Garantie, des Monitorings, der Haftung schlägt den Nutzen um ein Vielfaches. Ein Drehteil kostet vielleicht 50 Euro. Die Kosten für die Leistungsgarantie und die Haftung? 100 Euro und mehr. Das Modell geht nicht auf.
Dimension 2: Diversifikation zuerst
Das führte zu einer wichtigeren Diskussion: Wenn Dimension 1 nicht passt – was dann? Die Antwort: Untersucht Dimension 2 – hier können Potenziale liegen.
Die Erkenntnis ist: Diversifikation zuerst. Raus aus dem reinen Parts-Game. Rein in Märkte oder Geschäftsfelder, wo das Geschäftsmodell passt. Das könnte sein:
- Neue Branchen (wo die Teile prozesskritischer sind)
- Neue Geschäftsmodelle (Systems, Integration, nicht nur Teile)
- Neue Kundentypen (nicht nur Automotive-Zulieferer)
- Gezielte Service-Modelle, die wirklich funktionieren
Das ist die echte Frage: Welche Diversifikation ist für euer Geschäftsmodell richtig?

